Herr Siebzehnrübl

 

Videos: Tuna Kaptan

Erich Siebzehnrübl läuft entschlossen durch die Passauer Altstadt, witzelt mit Passanten, schliesst auf. Wir hören den 81 jährigen schwer atmen und schnaufen. Seit den 70ern betreibt er das kleine PAM-Kino. Ein aus der Zeit gefallenes Porno-Kino mit VHS-Rekorder, Aschenbecher und schweren bordeauxroten Vorhängen. Er flucht auf Gott, der ihm seine Frau genommen hat und sieht sich nach seinem Tod schon mit dem Teufel Karten spielen – inklusive einiger Porno Kassetten.

Die Nachfrage ist seit dem Aufkommen des Internets stark gesunken. Nur ein paar treue Stammgäste kommen noch in die wenigen Vorstellungen täglich. Das Kino sei „ein Ort in seiner Art absolut einzigartig, zeitlos, sogar anachronistisch.“ erzählt der Filmemacher, Tuna Kaptan, „vor allem für meine Generation, für die erotische Inhalte nur einen Mausklick entfernt liegen.“ Der Passauer studiert an der HFF München Filmregie und begleitete Siebzehnrübl mit einem kleinen Team.

Der 16mm Film ist eine rücksichtsvolle Beobachtung, die in ihrer Ruhe nur durch den schwarzen Humor des Herrn Siebzehnrübl und die Erzählungen aus seinem Leben gebrochen wird. Für den Filmemacher ist Herr Siebzehnrübl nicht nur ein Portrait, sondern auch eine Annäherung an Kindheitserinnerungen. Schon als Kind lief Kaptan auf dem Weg zur Schule Tag für Tag an dem Kino vorbei.

Nachdem die Räume des Pam-Kino 2013 von einem Hochwasser stark beschädigt wurden, gab Siebzehnrübl den Betrieb 2015 endgültig auf. Kaptan nutzte die letzte Chance ein filmisches Dokument eines Auslaufmodells zu schaffen.